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Herbst 1948 bei Tromsø: Bergungsarbeiten am Wrack der „Tirpitz“ – Das letzte Kapitel von Deutschlands mächtigstem Schlachtschiff.H

Im Herbst 1948, drei Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs, begannen nahe der norwegischen Stadt Tromsø

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umfangreiche Bergungsarbeiten am Wrack der Tirpitz. Das einst mächtigste Schlachtschiff der deutschen Kriegsmarine lag gekentert im flachen Wasser bei Håkøya – ein riesiger Stahlkoloss, der selbst im Untergang noch Eindruck machte.

Die „Tirpitz“ war das Schwesterschiff der berühmten Bismarck und lief 1939 vom Stapel. Mit über 250 Metern Länge und einer Verdrängung von mehr als 50.000 Tonnen galt sie als eines der stärksten Schlachtschiffe ihrer Zeit. Acht 38-cm-Geschütze in vier Doppeltürmen bildeten ihre Hauptbewaffnung. In der nationalsozialistischen Propaganda wurde sie als Symbol deutscher Seemacht gefeiert.

Operation Catechism - Wikipedia

Anders als die „Bismarck“, die 1941 im Atlantik versenkt wurde, operierte die „Tirpitz“ vor allem in den norwegischen Fjorden. Dort sollte sie alliierte Geleitzüge bedrohen, die lebenswichtige Nachschublieferungen in die Sowjetunion transportierten. Allein ihre Existenz band erhebliche britische Marine- und Luftstreitkräfte. Historiker sprechen oft vom „Fleet in Being“-Effekt: Ein Schiff muss nicht ständig kämpfen, um strategisch Wirkung zu entfalten – seine bloße Präsenz zwingt den Gegner zu Gegenmaßnahmen.

Có thể là hình ảnh về tàu ngầm

Doch genau diese ständige Bedrohung machte die „Tirpitz“ zum Ziel intensiver alliierter Angriffe. Zwischen 1942 und 1944 starteten britische Seestreitkräfte und die Royal Air Force mehrere Operationen gegen das Schiff. Mini-U-Boote beschädigten es schwer, Luftangriffe folgten. Am 12. November 1944 gelang schließlich der entscheidende Schlag: Britische Bomber warfen gewaltige „Tallboy“-Bomben ab, die die Panzerung durchschlugen. Das Schiff kenterte in kurzer Zeit. Über 900 Besatzungsmitglieder kamen ums Leben.

German battleship Tirpitz - Wikipedia

Nach Kriegsende blieb das Wrack zunächst liegen – halb im Wasser, halb darüber hinaus sichtbar. Für die Bewohner der Region war es ein düsteres Mahnmal, ein rostendes Relikt eines globalen Konflikts, der selbst die abgelegenen Fjorde Norwegens erreicht hatte. Doch der Stahl des Schiffes war wertvoll. In der Nachkriegszeit herrschte in Europa Rohstoffmangel. Der Wiederaufbau verlangte nach Material – und hier lag buchstäblich ein schwimmendes Stahlreservoir.

1948 begannen norwegische Unternehmen mit der systematischen Zerlegung des Wracks. Es war eine gewaltige technische Herausforderung. Der Rumpf lag auf der Seite, Teile waren im Meeresboden versunken, andere ragten scharfkantig in die Luft. Taucher mussten unter schwierigen Bedingungen arbeiten, Sprengladungen wurden eingesetzt, um Sektionen abzutrennen. Stück für Stück wurde der Gigant zerlegt.

Die Bergung war nicht nur ein wirtschaftliches Projekt, sondern auch ein symbolischer Akt. Das einstige Prestigeobjekt der deutschen Kriegsmarine wurde zu Schrott verarbeitet – eingeschmolzen und in den zivilen Wiederaufbau integriert. Aus einem Instrument des Krieges wurde Material für Brücken, Gebäude und Industrieanlagen. Der Übergang von Zerstörung zu Wiederaufbau wurde hier buchstäblich sichtbar.

File:Tirpitz Coat of arms (Wappenschild) found in wreck of WW2 German Navy Kriegsmarine battleship sunk outside Tromsø, Norway 1944. Lofoten Krigsminnemuseum 2019-05-08 DSC00339.jpg - Wikimedia Commons

Gleichzeitig blieb die „Tirpitz“ in der Erinnerung präsent. Für viele Deutsche war sie ein Symbol technischer Leistungsfähigkeit, für Norweger ein Zeichen der Besatzungszeit, für die Alliierten ein gefährlicher Gegner. Ihr Schicksal zeigt, wie stark Symbolik und Realität auseinanderliegen können. Trotz ihrer Größe und Bewaffnung spielte sie strategisch eine begrenzte direkte Rolle. Sie band Kräfte, bedrohte Konvois – doch sie veränderte den Kriegsverlauf nicht entscheidend.

Die Bilder aus dem Herbst 1948 zeigen Männer in Arbeitskleidung auf dem Rumpf eines umgestürzten Giganten. Keine Uniformen mehr, keine Flaggen, keine militärische Inszenierung. Nur Schneidbrenner, Kräne und Schweißarbeit. Wo einst Geschütztürme standen, klafften nun offene Stahlflächen. Wo Befehle über Lautsprecher hallten, hörte man nun das Kreischen von Metall.

Heute erinnern nur noch Teile des Rumpfes unter Wasser an die „Tirpitz“. Einige Fragmente sind noch sichtbar oder wurden geborgen und ausgestellt. Für Historiker, Technikinteressierte und Besucher bleibt das Wrack ein Ort der Auseinandersetzung mit Geschichte.

Die Bergungsarbeiten von 1948 markierten das endgültige Ende eines Schiffes, das einst als unbesiegbar galt. Sie stehen zugleich für den Übergang Europas von Krieg zu Wiederaufbau. Der Stahl, der einst für Zerstörung gedacht war, wurde Teil einer neuen, friedlichen Ordnung.

So wurde aus Deutschlands mächtigstem Schlachtschiff am Ende nichts weiter als Rohmaterial – und ein mahnendes Kapitel der Geschichte.

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