Er wurde „Klein-Zill“ genannt, doch seine Grausamkeit war grenzenlos: Wie ein Bäckersohn zum sadistischen Monster der SS aufstieg.H
2. Februar 1943, Stalingrad, Sowjetunion. Die deutsche 6. Armee kapituliert nach fünfmonatigen erbitterten Kämpfen und schweren Verlusten, nachdem die Munition und Nahrungsmittel aufgebraucht sind. Damit ist es die erste von Hitlers Feldarmeen, die im Zweiten Weltkrieg kapitulieren muss. Die Schlacht um Stalingrad erweist sich als Wendepunkt, der eine Reihe deutscher Siege im Sommer 1942 beendet und den langen Rückzug nach Westen einleitet.
Die Sowjetarmee bleibt in der Offensive und befreit im Juli 1944 Majdanek, das erste der größeren Nazilager, das im deutsch besetzten Polen errichtet wurde. Sowjetische Beamte laden Journalisten ein, die das Lager besichtigen und die Beweise für die Gräueltaten, die sich dort abspielten, mit eigenen Augen sehen. Erst nach der Befreiung des Konzentrationslagers wird das ganze Ausmaß nationalsozialistischer Gräueltaten der Weltöffentlichkeit vor Augen geführt. Wegen der Anforderungen der Zwangsarbeit und des Mangels an Nahrung überlebt nur ein kleiner Prozentsatz der Lagerinsassen. Nach Monaten und Jahren der Folter und Misshandlung ähneln ihre Körper eher Skeletten und viele sind so schwach, dass sie sich kaum bewegen können.
Einer der berüchtigtsten Täter dieses verbrecherischen Nazi-Regimes, der für diese Gräueltaten verantwortlich ist, ist Egon Zill. Egon Gustav Adolf Zill wurde am 18. März 1906 in Plauen, damals Teil des Deutschen Reichs, geboren. Sein Vater war ein Braumeister, der im Ersten Weltkrieg schwer verletzt wurde, und so beendete Egon die Schule nach acht Jahren und ging bei einem Bäcker in die Lehre, um das dringend benötigte Geld für die Familie zu verdienen.
Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs befand sich Deutschland in großem politischem Aufruhr. Im Vertrag von Versailles von 1919 wurde Deutschland, das den Krieg verloren hatte, harte Pflichten und Bedingungen auferlegt. Außerdem wurde die deutsche Monarchie gestürzt; an dessen Platz trat die Weimarer Republik mit einer demokratischen Regierung. Rassistische und antisemitische Gruppen tauchten am rechten Rand auf und gaben den Juden die Schuld für die Niederlage Deutschlands. Diese Gruppen standen gegen die Weimarer Republik und den Versailler Vertrag. Sie waren gegen Demokratie, Menschenrechte, Kapitalismus, Sozialismus und Kommunismus. Sie traten dafür ein, jeden aus dem deutschen Leben auszuschließen, der ihrer Ansicht nach nicht zur deutschen Rasse gehörte.

Die 1920 gegründete Nazipartei versuchte, die deutschen Arbeiter vom Sozialismus und Kommunismus abzuwerben und sich zur antisemitischen und antimarxistischen Ideologie zu bekennen. 1920 schrieb Hitler ein 25-Punkte-Programm, das das einzige Programm der Partei blieb. Es lehnte unter anderem den Versailler Vertrag ab und will die Vereinigung aller Menschen von angeblich deutschem Blut. Das Programm fordert ein großdeutsches Reich, das von einem starken Zentralstaat gelenkt wird und neue Länder und Kolonien erwerben sollte. Das Programm sollte alle Nichtdeutschen die Staatsbürgerschaft und Bürgerrechte verweigern, besonders Juden. Unter Hitlers Führung wuchs die NSDAP stetig. Sie konnte die Unterstützung von einflussreichen Menschen im Militär, der Wirtschaft und der Gesellschaft erlangen. Die Partei nahm auch andere rechtsradikale Gruppen auf.
1921 baute Hitler die paramilitärische Truppe SA auf, die als Sturmabteilung oder Braunhemden wegen der Farbe der Uniformen bekannt wurden. Die SA-Mitglieder waren Kriegsveteranen und Mitglieder der Freikorps, paramilitärische Einheiten, die im Zwischenkriegsdeutschland gegen linke Bewegungen kämpften. Als Egon Zill 1923 der NSDAP und der SA beitrat, war er erst 17 Jahre alt. Drei Jahre später meldete er sich bei der SS und bekam die Nummer 535, eine der niedrigsten Mitgliedsnummern, die es gab.
Am 30. Januar 1933 wurde Adolf Hitler vom deutschen Präsidenten Paul von Hindenburg zum Kanzler ernannt. Direkt nachdem Hitler an die Macht kam, wurde Deutschland zu einer Diktatur. Das NS-Regime zögerte nicht, die Bürger- und Menschenrechte der Juden einzuschränken und errichtete die ersten Konzentrationslager, in denen sie politische Gegner, Homosexuelle, Zeugen Jehovas und andere als gefährlich eingestufte Menschen inhaftierten. Eins dieser Lager war Hohnstein. Errichtet in der Burg Hohnstein, existierte das Lager zwischen dem 14. März 1933 bis August 1934. Die Gefangenen, hauptsächlich Kommunisten, wurden zur Arbeit in einem nahen Steinbruch gezwungen. Viele von ihnen wurden von der SA oder SS ermordet oder nahmen sich das Leben.
1934 heiratete Egon Zill. Seine Frau war seit Mitte der 1920er Jahre Mitglied in verschiedenen nationalsozialistischen Organisationen; die beiden hatten drei Kinder. Ab dem 12. Oktober 1934 leitete Zill die Wachen im Konzentrationslager Lichtenburg. Das ehemalige Renaissanceschloss Lichtenburg war eines der ersten Konzentrationslager, das von den Nazis gebaut und von der SS zwischen 1933 und 1939 betrieben wurde. Zwischen 1937 und 1939 beherbergte es ausschließlich weibliche Häftlinge. Vom 1. November bis zum 31. Juli 1937 war Zill Schutzhaftlagerführer im Konzentrationslager Lichtenburg. Der Leiter des Konzentrationslagers, Hans Helwig, überließ Zill die Verwaltung des Lagers, der unter den Häftlingen berüchtigt war für seine Brutalität und Rücksichtslosigkeit.
Einer der prominentesten Häftlinge im Lager war Armin Wegner, ein deutscher Soldat und Sanitäter im Ersten Weltkrieg, aber auch ein bekannter Autor und Menschenrechtsaktivist. Am 11. April 1933, kurz nachdem die Nazis zum Boykott jüdischer Geschäfte aufriefen, prangerte Wegner die Verfolgung der Juden in Deutschland in einem offenen Brief an Adolf Hitler an. Er wies darauf hin, dass es bei der Judenverfolgung nicht nur wörtlich um das Schicksal der jüdischen Brüder allein, sondern auch um das Schicksal Deutschlands ginge. Er betonte, dass er diesen Brief als stolzer Deutscher schrieb, dessen preußische familiäre Wurzeln bis zur Zeit der Kreuzzüge nachzuvollziehen wären. Wegner fragte Hitler, was aus Deutschland werden würde, wenn man die Juden weiter verfolge. Auf seine eigene Frage antwortend erklärte er: „Es gibt kein Vaterland ohne Gerechtigkeit.“
Am 19. September 1933 wurde Wegner von der Gestapo verhaftet, die ihn inhaftierte und folterte. Er wurde anschließend unter anderem in die Konzentrationslager Oranienburg und Lichtenburg interniert. 1934 wurde er entlassen und floh nach Rom, wo er unter falschem Namen lebte.
Ab dem 1. Februar 1938 wurde Egon Zill Adjutant des Kommandanten von Lichtenburg, das mittlerweile ein reines Frauenlager geworden war. Eine der Aufseherinnen des Lagers war Maria Mandl, die bekannt dafür war, die Gefangenen nackt auszuziehen, an einen Holzpfahl zu fesseln und sie so gnadenlos auszupeitschen, bis sie ihren eigenen Arm nicht mehr heben konnte. Am 15. Mai 1939 wurde Egon Zill mit anderen Aufsehern aus Lichtenburg in das neue Konzentrationslager Ravensbrück geschickt. Ravensbrück, das im Mai 1939 eröffnet wurde, war das einzige größere Frauenlager, das von den Nazis errichtet wurde. Insgesamt durchliefen ca. 132.000 Frauen aus ganz Europa das Lager, darunter Polinnen, Russinnen, Jüdinnen, Sintize, Romnja und andere. Davon kamen über 92.000 Frauen ums Leben. In Ravensbrück war Egon Zill Adjutant des Kommandanten. Obwohl Zill eine Ehefrau hatte, war er bekannt dafür, die Gefangenen sexuell zu belästigen und brutal zu missbrauchen. Einmal zog er sich sogar eine Geschlechtskrankheit zu.
Zill, der wegen seiner geringen Körpergröße „Klein-Zill“ genannt wurde, blieb bis Dezember 1939 in Ravensbrück. Er stieg in der Lagerhierarchie immer weiter auf und verdiente diese Beförderungen durch die Grausamkeit und den Sadismus, mit dem er die Gefangenen behandelte. Sein Verhalten in jedem Lager, das folgte, wurde immer brutaler. Er ordnete viele Verbrechen nicht nur an, er beging sie selbst.
Der Zweite Weltkrieg begann am 1. September 1939 mit dem Überfall auf Polen. Am 1. Dezember 1939 wurde Zill im Konzentrationslager Dachau als Schutzhaftlagerführer eingesetzt. Die Abteilung Schutzhaftlager überwachte den Häftlingskomplex und wurde von den berüchtigten SS-Totenkopf-Einheiten geleitet. Nachdem Zill die Ausbildung für die Totenkopf-Einheit in Dachau erhalten hatte, war er mit allen Schrecken vertraut, die das Lager den Häftlingen antat. Die Totenkopf-Einheit, die wegen des Totenkopfsymbols am Kragen der Uniform so hieß, wurde 1934 von Theodor Eicke, dem ersten Kommandanten von Dachau und späteren Inspektor der Konzentrationslager, gegründet. Eine unabhängige Einheit innerhalb der SS, die für die Verwaltung der nationalsozialistischen Konzentrations- und Vernichtungslager in ganz Deutschland und den besetzten Gebieten verantwortlich war. Die Einheiten waren ausgebildet, sich diszipliniert und grausam zu verhalten und die von ihnen bewachten Häftlinge als Staatsfeinde zu betrachten, die nach Möglichkeit zerstört werden müssten. Sie waren verantwortlich für das, was die Nazis die sogenannte „Endlösung“ nannten, die seit dem Krieg als Holocaust bekannt ist – dem Genozid der europäischen Juden.
In Dachau entwickelte Zill neue und organisierte Foltermethoden für die Häftlinge. Er fand Gefallen daran, die Bestrafung selbst durchzuführen oder zumindest von außen zuzuschauen, wenn ein Gefangener durch die Hände eines so sadistischen Wärters starb. Zill genoss es zuzusehen, wie Männer geschlagen, ertränkt, erhängt und gebrochen wurden, bis ihre Körper nur noch aus Haut und Knochen bestanden und nicht mehr zu erkennen waren. Ein Etikett mit einer Identifikationsnummer wurde an den Zehen befestigt, damit sie anschließend in den Büchern mit Todesursachen wie Herzinfarkt oder anderen medizinischen Leiden vermerkt werden konnten.
Einmal wurden die Leichen von sowjetischen Kriegsgefangenen, die in Hebertshausen ermordet wurden – einem zwei Kilometer nördlich von Dachau gelegenen Schießplatz, wo zwischen 1941 und 1942 4.000 sowjetische Kriegsgefangene erschossen wurden – in das Krematorium von Dachau gebracht. Als ein Kapo Egon Zill fragte, wo die Asche hingebracht werden sollte, sagte Zill zu ihm:
„Schmeiß den Dreck dieser kommunistischen Schweine weg.“
Egon Zill hatte seine Hunde darauf abgerichtet, auf das Heben seines Arms zu reagieren. An besonderen Tagen ließ Zill einen Tisch voller Essen vor die hungernden Häftlinge stellen, die davor strammstanden. Wenn eine Person ihren Körper entspannte, würden die Hunde automatisch reagieren. Wenn die Zeit voranschritt und Zill sich langweilte, hob er den Arm und die Hunde attackierten den Genitalbereich der Häftlinge, bis sie tot waren. Erst dann ging Zill. Zeugen haben auch ausgesagt, dass Zill persönlich sowjetische Gefangene gefoltert hatte, die nackt vor ihm herliefen. Er peitschte sie unerbittlich aus und wählte dann seine Opfer unter ihnen, die er persönlich erschoss. Er wurde auch gesehen, wie er Gefangene an Bäume band und dann einen Hund auf ihre Genitalien ansetzte.
Ein weiterer üblicher Zeitvertreib der Wärter von Dachau bestand darin, die jüdischen Gefangenen antisemitische Lieder singen zu lassen, während sie Gruben aushoben, die sie mit Steinen füllten, um sie dann wieder auszuheben und andere Gruben damit zu befüllen. Eine andere Methode der Demütigung war, die Gefangenen an Händen und Füßen zu fesseln und sie zu zwingen, herumzukriechen und wie Schweine zu grunzen. Wenn sich die Gefangenen den Schweineställen näherten, wurden die Futtertröge gefüllt und die SS-Männer schauten zu, wie die Häftlinge mit den Schweinen ums Essen kämpften. Diese Folter wurde vor allem bei Juden, Priestern, Zeugen Jehovas und Polen angewandt.
Im Herbst 1941 nahm Zill einen sowjetischen Gefangenen aus einer Gruppe heraus, weil er eine Flechte im Gesicht hatte. Zill selbst führte den Häftling auf den Schießplatz Hebertshausen für dessen Hinrichtung. Ursprünglich sollten alle aus der Gruppe sowjetischer Kriegsgefangener hingerichtet werden, doch sie wurden begnadigt und zur Zwangsarbeit in den Steinbrüchen verpflichtet. Zill nahm die Selektion auf eigene Initiative vor.
Etwas Ähnliches passierte im November 1940. Als ein Arbeitskommando am Morgen des 18. November durch das Lagertor kam, deutete Zill auf zwei Häftlinge und sagte zu Karl Kapp, einem leitenden Kapo im Arbeitskommando Garagenbau, dass er die beiden Häftlinge am Abend nicht mehr sehen wolle. Als sie am Abend wieder zurückkamen, wurden die beiden tot auf Schubkarren ins Lager geschoben. Als Kapp den Tod der beiden meldete, antwortete Zill:
„Das nenne ich eine prompte Befehlsausführung.“
Im Dezember 1941 trat Zill die Nachfolge von Pister als Kommandant des Konzentrationslagers Hinzert an, das weitgehend unabhängig operierte, bis es am 21. November 1941 in die Verwaltung des Konzentrationslagers Buchenwald fiel. Zwischen 1939 und 1945 wurden 13.600 politische Gefangene im Alter zwischen 13 und 80 Jahren in Hinzert inhaftiert. Viele waren auf dem Weg in größere Konzentrationslager, wo sie häufig ermordet wurden. Dennoch wurden auch in Hinzert viele Häftlinge hingerichtet. Gefangene hausten in vier Baracken, von denen jede in zwei Räumen 26 Etagenbetten enthielt, die auf die Unterbringung von 208 Gefangenen ausgelegt sein sollten. Später wurden Strohmatten ergänzt, um Platz für 560 Häftlinge zu schaffen. Verwaltet, geleitet und bewacht wurde das Lager vor allem von der SS, die, so berichten die Überlebenden, berüchtigt für ihre Brutalität und Grausamkeit war. Gefangene mussten manchmal stundenlang mit dem Gesicht zum Mast stillstehen. Der Appellplatz diente auch als Drill- und Übungsplatz, wo Häftlinge um 4:30 Uhr am Morgen zum Klang einer Trommel auf- und abspringen mussten.
Im April 1942 wurde Zill Kommandant des Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof, dem einzigen im Vorkriegsfrankreich errichteten Lager, etwa 50 km südwestlich von Straßburg. Gefangene arbeiteten in nahegelegenen Granitsteinbrüchen, bei Bauarbeiten und in der Instandhaltung des Lagers. Es gab schätzungsweise 50 Nebenlager im Lagersystem von Natzweiler-Struthof, und bis Herbst 1944 waren im Hauptlager etwa 7.000 Häftlinge und mehr als 20.000 in den Nebenlagern. Man vermutet, dass ca. 52.000 Häftlinge während der gesamten Zeit dort inhaftiert waren. Es war ein Arbeits- und Durchgangslager und, als der Krieg voranschritt, auch ein Ort der Hinrichtung. Viele starben an den Strapazen der Arbeit und Unterernährung. Im Hauptlager und den Nebenlagern starben etwa 22.000 Menschen.
Mitte September 1942 wurde Egon Zill Kommandant im Konzentrationslager Flossenbürg. Flossenbürg wurde ursprünglich gebaut, um Zwangsarbeiter für einen Granitsteinbruch zu haben, mit dem die Bauprojekte der Nazis verwirklicht werden sollten. Mitte 1943 jedoch wurde das Lager einer der Hauptlieferanten von Bauteilen für die Messerschmitt Bf 109, und nur noch die Hälfte der Häftlinge arbeitete im Steinbruch. In Flossenbürg schufen die Nazis so harte Lebensbedingungen für die Häftlinge, dass viele von ihnen Selbstmord begingen. Auch führte das Lagerpersonal häufig Exekutionen durch, peitschte die Gefangenen aus und ordnete lange und extrem ermüdende Appelle an. Als Kommandant erwartete Zill von seinen Wachen, dass sie mit der Disziplin von Soldaten vorangingen. Gleichzeitig unterstützte er die Idee, dass Lagerinsassen, die sich von der nationalsozialistischen Ideologie überzeugen ließen, in die Freiheit entlassen werden sollten, um an der Front für Nazi-Deutschland zu kämpfen.
Zill wurde im April 1943 durch Max Koegel ersetzt, nachdem er als Kommandant für untauglich befunden worden war. Dem vorausgegangen waren Beschwerdebriefe von Dorfbewohnern an den Generalbevollmächtigten für den Arbeitseinsatz, Fritz Sauckel, in denen es um den hohen Lebensstandard der Lagerwachen und ihrer Frauen im Gegensatz zu den ärmlichen Verhältnissen im Dorf und einer grundsätzlichen Kultur von Korruption unter dem Lagerpersonal ging.
Im August 1943 wurde Zill in die 7. SS-Freiwilligen-Gebirgs-Division „Prinz Eugen“ versetzt, einer Gebirgsinfanteriedivision der Waffen-SS, die zwischen 1942 und 1945 im besetzten Jugoslawien gegen den Aufstand von Partisanen kämpfte. Die Waffen-SS war ein bewaffneter Teil der NSDAP, die an der Seite der Wehrmacht, der deutschen Armee, im Zweiten Weltkrieg diente, aber nie Teil von ihr war. Zill diente später in der 23. Waffen-Gebirgs-Division der SS „Kama“. Teile der Einheit kämpften zeitweise im Oktober 1944 gegen die sowjetischen Streitkräfte in Südungarn an der Seite der 31. SS-Freiwilligen-Grenadier-Division. Aus der Sicht seiner militärischen Vorgesetzten hatte Zill die Prüfung jedoch nicht bestanden. Beurteilungen bescheinigten, dass er keine Grundausbildung und unzureichende militärische und taktische Fähigkeiten hatte.
Anfang Oktober 1944 schlug Zill vor, man solle ausgewählte Häftlinge aus Konzentrationslagern in die Dienste der Waffen-SS stellen. Dieser Vorschlag wurde von Oskar Dirlewanger aufgegriffen, einem der berüchtigsten Täter des NS-Regimes, dessen Einheit vor allem in Polen und Belarus die Zivilbevölkerung terrorisierte und unsägliche Gräueltaten beging. Dies führte zu einer Überstellung von Häftlingen an die SS-Sondereinheit Dirlewanger.
Nach Kriegsende tauchte Egon Zill unter und änderte seinen Namen in Willi Sonntag. Nachdem er jedoch seinen echten Namen auf der Geburtsurkunde seines unehelichen Kindes eingetragen hatte, wurde Zill enttarnt. Am 26. August 1952 wurde ein Haftbefehl gegen ihn erlassen und nach acht Monaten Fahndung wurde er am 24. April 1953 in Hamburg verhaftet und vor ein westdeutsches Gericht gebracht. Die Nachkriegsermittlungen der Münchner Staatsanwaltschaft ergaben, dass er in Dachau zahlreiche Häftlinge gefoltert hatte und einige davon durch den Missbrauch starben. Die Zeugen der Anklage sagten aus, dass Zill mehrfach aktiv zur Tötung von Häftlingen aufgerufen oder sie selbst veranlasst hatte. 1955 verurteilte ihn ein Münchner Gericht zur Höchststrafe in Westdeutschland: lebenslängliche Haft. Aber nach einer Berufungsverhandlung wurde die Strafe auf 15 Jahre im Gefängnis reduziert. So wurde Zill 1970 entlassen. Er war 68 Jahre alt, als er am 23. Oktober 1974 in der Stadt Dachau, nahe des Lagers, wo er einst gedient hatte, starb. Für Egon Zill wurden keine Tränen vergossen.




