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Was deutsche Kriegsgefangene sagten, nachdem sie von Pattons Armee gefangen genommen worden waren.H
Frühjahr 1945. Die Fronten des Deutschen Reiches brachen an allen Seiten zusammen. Im Westen rückten die amerikanischen, britischen und kanadischen Truppen schnell vor, im Osten drängte die Rote Armee mit gewaltiger Wucht Richtung Berlin. Inmitten dieses Zusammenbruchs gerieten Zehntausende deutsche Soldaten in Gefangenschaft – viele von ihnen in die Hände der Dritten US-Armee unter General George S. Patton.

Die amerikanischen Vernehmer erwarteten Widerstand, ideologische Überzeugungstreue oder zumindest offenen Hass. Doch die Vernehmungsprotokolle, die heute in US-Archiven zugänglich sind, zeichnen ein überraschend anderes Bild. Immer wieder taucht eine Aussage auf, die sinngemäß lautete:
„Gott sei Dank hat uns Patton gefangen genommen und nicht die Russen.“
Diese Reaktion war kein Einzelfall. Von einfachen Soldaten bis hin zu Unteroffizieren und Offizieren äußerten viele Gefangene offen ihre Erleichterung darüber, in amerikanische statt sowjetische Hände gefallen zu sein. Für die amerikanischen Nachrichtendienste war das ein aufschlussreicher Einblick in die Moral der Wehrmacht in den letzten Kriegsmonaten.
Ein 32-jähriger Feldwebel, der im März 1945 am Rhein gefangen genommen wurde, erklärte bei seiner Befragung, man habe an der Westfront regelrecht gehofft, den Amerikanern gegenüberzustehen. Die Angst vor sowjetischer Gefangenschaft sei allgegenwärtig gewesen. Gerüchte und Berichte von der Ostfront – von harten Märschen, Zwangsarbeit und jahrelanger Internierung – hatten sich tief ins Bewusstsein der Soldaten eingeprägt. Ob übertrieben oder nicht, sie prägten die Wahrnehmung massiv.
Im Gegensatz dazu galt die amerikanische Kriegsgefangenschaft als berechenbar. Die Genfer Konventionen waren bekannt, ebenso die relativ ordentliche Versorgung in westlichen Lagern. Viele Soldaten gingen davon aus, dass sie nach Kriegsende relativ bald in ihre Heimat zurückkehren könnten. Für Männer, die oft seit Jahren im Krieg standen, war diese Aussicht entscheidend.
Ein junger Leutnant, der im Ruhrkessel gefangen genommen wurde, berichtete laut Protokoll, dass in seiner Einheit offen darüber gesprochen worden sei, wann man sich am besten ergeben solle. Niemand habe in den letzten Wochen eines offensichtlich verlorenen Krieges noch „heldenhaft“ sterben wollen. Die Kapitulation gegenüber den Amerikanern wurde nicht als Schande empfunden, sondern als vernünftige Entscheidung.
Die amerikanischen Auswerter stellten zudem fest, dass sich die Haltung im Verlauf des Krieges deutlich verändert hatte. Gefangene aus dem Jahr 1944 – etwa vor der Ardennenoffensive – zeigten häufiger noch ideologische Überzeugung oder zumindest Disziplin und Zurückhaltung. Im Frühjahr 1945 hingegen dominierte Pragmatismus. Viele Gefangene äußerten offen Zweifel am nationalsozialistischen Regime und machten deutlich, dass sie nicht mehr an einen Sieg glaubten.
Ein interner Bericht der Dritten Armee aus dem April 1945 hielt fest, dass die Moral der Gefangenen „zunehmend zusammenbreche“. Die Mehrheit wirke erleichtert, kooperativ und gesprächig. Einige Soldaten hätten sogar zugegeben, Kameraden aktiv geraten zu haben, sich den Amerikanern zu ergeben, sobald sich die Gelegenheit biete.
Diese Aussagen spiegeln nicht nur militärische Realität wider, sondern auch eine psychologische Entwicklung. Der Krieg hatte Millionen Menschen erschöpft. Städte lagen in Trümmern, Familien waren getrennt, und selbst überzeugte Soldaten mussten erkennen, dass die strategische Lage hoffnungslos war. In dieser Situation wurde die Wahl der Gefangenschaft – West oder Ost – für viele zur Frage des Überlebens.
Gleichzeitig darf man nicht übersehen, dass diese Perspektive nicht einheitlich war. Es gab weiterhin fanatische Einheiten, insbesondere Teile der SS, die bis zuletzt kämpften. Auch die Behandlung deutscher Gefangener war nicht überall gleich und nicht frei von Härte. Doch im Vergleich zur Furcht vor sowjetischer Gefangenschaft erschien die amerikanische Option vielen als das kleinere Übel.
Für General Patton selbst war die schnelle, aggressive Kriegsführung ein Markenzeichen. Seine Dritte Armee bewegte sich mit enormem Tempo durch Frankreich und später durch Deutschland. Für viele deutsche Soldaten bedeutete das: Je schneller Patton kam, desto schneller war der Krieg für sie persönlich vorbei.
Die Vernehmungsberichte liefern daher ein eindrucksvolles Bild vom inneren Zustand der deutschen Armee im Frühjahr 1945. Hinter der Fassade militärischer Disziplin verbarg sich häufig Resignation. Der Kampfgeist war vielerorts dem Wunsch gewichen, lebend aus dem Krieg herauszukommen.
Am Ende erzählen diese Aussagen weniger von Bewunderung für einen gegnerischen General als von der nackten Realität eines verlorenen Krieges. Für viele deutsche Soldaten war die Gefangennahme durch Pattons Truppen nicht das Ende der Hoffnung – sondern der Beginn des Überlebens.




