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- 27. Januar 1945: 7.000 Überlebende befreit – Über 1,1 Millionen Ermordete in Auschwitz – Deutschlands dunkelstes Kapitel vor 81 Jahren.H
27. Januar 1945: 7.000 Überlebende befreit – Über 1,1 Millionen Ermordete in Auschwitz – Deutschlands dunkelstes Kapitel vor 81 Jahren.H
Am 27. Januar 1945 erreichten Soldaten der Roten Armee das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau im besetzten Polen. Was sie dort vorfanden, war selbst für erfahrene Frontsoldaten kaum zu begreifen: Etwa 7.000 völlig entkräftete Männer, Frauen und Kinder, zurückgelassen zwischen Baracken, Leichen und den Spuren eines industriell organisierten Massenmordes. Hinter ihnen lagen über eine Million ermordete Menschen – deportiert aus ganz Europa im Namen von Rassenwahn und nationalsozialistischer Ideologie.

Auschwitz war kein einzelnes Lager, sondern ein riesiger Komplex. Neben dem Stammlager Auschwitz I entstand Auschwitz II-Birkenau als zentrales Vernichtungslager. Hier wurden die meisten Opfer unmittelbar nach ihrer Ankunft selektiert. Wer als „arbeitsfähig“ galt, wurde zur Zwangsarbeit eingeteilt. Alte Menschen, viele Frauen und Kinder wurden direkt in die Gaskammern geschickt. Die systematische Ermordung erfolgte mit Zyklon B – effizient, geplant und bürokratisch organisiert.
Zwischen 1940 und 1945 wurden mehr als 1,3 Millionen Menschen nach Auschwitz deportiert. Historiker gehen davon aus, dass etwa 1,1 Millionen von ihnen dort ermordet wurden, darunter rund eine Million Jüdinnen und Juden. Hinzu kamen Hunderttausende weitere Opfer: politische Gefangene, Roma und Sinti, sowjetische Kriegsgefangene, Homosexuelle und andere vom NS-Regime Verfolgte.
Die Befreiung des Lagers erfolgte im Rahmen der sowjetischen Weichsel-Oder-Offensive. Als die SS im Januar 1945 erkannte, dass die Front näher rückte, begann sie mit der Räumung des Lagers. Zehntausende Häftlinge wurden auf sogenannte „Todesmärsche“ Richtung Westen getrieben – bei eisigen Temperaturen, ohne ausreichende Nahrung oder medizinische Versorgung. Wer nicht mehr gehen konnte, wurde erschossen oder starb am Wegesrand. Nur die Schwächsten, die nicht mehr transportfähig waren, blieben zurück.
Die Soldaten der Roten Armee fanden Berge von Schuhen, Koffern, Haaren und Brillen – stumme Beweise für das Ausmaß der Verbrechen. Ganze Lagerhallen waren gefüllt mit persönlichen Gegenständen, sorgfältig sortiert und bereit zur Weiterverwertung. Die nationalsozialistische Mordmaschinerie hatte selbst im Tod noch ökonomische Logik.
Auschwitz steht heute symbolisch für den Holocaust – die systematische Ermordung von sechs Millionen europäischen Jüdinnen und Juden durch das nationalsozialistische Deutschland. Doch dieses Verbrechen begann nicht mit Gaskammern. Es begann Jahre zuvor mit Ausgrenzung, Propaganda und politischer Radikalisierung. Mit Gesetzen, die Menschen entrechteten. Mit Hetzreden, die eine Gesellschaft in „Wir“ und „Sie“ spalteten. Mit Gleichgültigkeit vieler, die wegsahen oder schwiegen.

In den 1930er-Jahren wurden antisemitische Maßnahmen schrittweise normalisiert. Boykotte jüdischer Geschäfte, Berufsverbote, die Nürnberger Gesetze von 1935 – all das bereitete den Boden. Gewalt wurde zur Routine. Die Pogromnacht im November 1938 markierte einen offenen Übergang zur systematischen Verfolgung. Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs radikalisierte sich die Politik weiter. Deportationen, Ghettos, Massenerschießungen im Osten – und schließlich die „Endlösung“, beschlossen auf der Wannsee-Konferenz 1942.
Auschwitz war das tödliche Zentrum dieser Politik. Hier zeigte sich, wie moderne Bürokratie, industrielle Technik und ideologische Verblendung zu einem beispiellosen Zivilisationsbruch führten. Der Mord wurde geplant, dokumentiert und verwaltet. Zugfahrpläne, Transportlisten, Baupläne für Krematorien – alles folgte einer kalten Logik.
Heute ist der 27. Januar in Deutschland offizieller Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus. Schulen, Parlamente und Institutionen erinnern an die Befreiung von Auschwitz. Doch Erinnerung ist mehr als ein Ritual. Sie ist eine Verantwortung.
Die Geschichte von Auschwitz mahnt, wie schnell demokratische Strukturen erodieren können, wenn Hass, Verschwörungserzählungen und Entmenschlichung Raum gewinnen. Genozid entsteht nicht über Nacht. Er ist das Ergebnis vieler kleiner Schritte – von Worten, die ausgrenzen, von Gesetzen, die diskriminieren, von Menschen, die schweigen.
81 Jahre nach der Befreiung bleibt Auschwitz ein Ort des stillen Entsetzens – und der klaren Warnung. Die Überlebenden, die am 27. Januar 1945 befreit wurden, trugen Zeugnis ab von dem, was geschehen war. Ihre Stimmen erinnern uns daran, dass Geschichte nicht nur Vergangenheit ist, sondern Auftrag für Gegenwart und Zukunft.
„Nie wieder“ ist kein automatisches Versprechen. Es ist eine Entscheidung, die jede Generation neu treffen muss.




